ISADORAS KINDER (Les enfants d'Isadora) Damien Manivel

F/KR-2019 | 84 Min. | 4:3 | Farbe | 5.1 | Französisch Originalfassung mit Untertiteln
Regie Damien Manivel | Mit Agathe Bonitzer, Manon Carpentier, Marika Rizzi, Elsa Wolliaston | Drehbuch Damien Manivel, Julien Dieudonné | Ton Jérôme Petit, Simon Apostolou | Kamera Noé Bach | Schnitt Dounia Sichov | Produktion MLD Films, Jeonju Film Festival, Arte/Cofnova 15 | Weltvertrieb SHELLAC | Verleih Filmgarten

Pressespiegel

  • Ein tanzendes Kino

  • Niemand wird nach dem Film so sein wie vorher.

  • Wenige Filme haben so zärtlich die Geheimnisse des Tanzes ergründet.

  • Von einer Schlichtheit und Angemessenheit, die entzückt.

  • Der Geburt einer tröstenden Anmut, die nur der Tanz ausdrucken kann.

  • Bezaubernd.

  • Aus Liebe zur Geste.

  • Eine Kreation von großer Bedeutung.

  • Portrait Elsa Wolliaston

Interview mit Damien Manivel

  • Antoine Thirion:

    Auch wenn Sie Tänzer waren, bevor Sie zum Film kamen – Sie haben noch nie einen ihrer Filme dem Tanz gewidmet: was hat Sie zu diesem Film inspiriert?

  • Damien Manivel:

    Das Tanzen liegt mir sehr am Herzen und ich habe eine ganze Weile gebraucht um einen filmischen Ansatz für mich zu finden. Es war die ganze Zeit in meinem Hinterkopf aber ich hatte nicht das Gefühl, bereit dafür zu sein. Als ich anfing Filme zu machen war es aber doch immerzu präsent und ich habe die Bewegungen meiner Schauspieler*innen immer so wahrgenommen als ob sie tanzten. Schließlich war es die Begegnung mit Isadora Duncans Geschichte, die zu diesem Film führte. Es hat alles mit Tanzproben begonnen, die wir mit Agathe Bonitzer und einer befreundeten Choreographin, Aurélie Berland, hatten als Agathe diese langsame Bewegung machte, wie einen Abschiedsgruß. Aurélie Berland drehte sich zu mir um und sagte mir, dass sie diese Bewegung an Isadora Duncans Solo Mutter erinnert. Sie erzählte mir die tragische Geschichte von dem Tod der Kinder, auf dem das Stück basiert. Als ich später auch noch Musik von Skrjabin gehört habe, war für mich die Verbindung gefunden, nach der ich gesucht habe. Es war die Quelle aus der ich und mein Ko-Autor Julien Dieudonné ein Jahrhundert später uns an eine freie Adaption von Isadora Ducans Stück Mutter wagen konnten.

  • Damien Manivel:

    Nicht die Charaktere, sondern der Tanz ist, der als roter Faden durch den Film zieht und die Charaktere verbindet. Wie sind Sie auf diese gebrochene erzählerische Struktur gekommen?

  • Damien Manivel:

    Es gibt weder Fotos noch Filmaufnahmen, die Isadora Duncan bei diesem Solo zeigen. Es ist wie eine Legende, die von den Schüler*innen weitergetragen worden ist und das Einzige was wir haben ich das Stück festgehalten in Labanotation. Das Stück transportiert ein Gefühl, das sehr alt ist, und sehr weit zurückgeht. Es geht um die Tragik des Verlusts, der Wehklage aber auch um die beruhigende Macht der Kunst. Daraufhin kam mir die dreiteilige Struktur in den Sinn, die wie eine zentrifugale Bewegung von dem Punkt ausgeht, als das Solo neu entdeckt wird und endet, wenn es finalisiert ist. Mir schien es für dieses Stück eine Notwendigkeit zu sein, dass verschiedene Körper und Geschichten damit verwoben werden. Die Geschichte beginnt mit einer jungen Tänzerin, die das Stück dechiffriert und für sich Gesten findet, die sie aufregen. Ich wollte außerdem zeigen, was in der wirklichen Übertragung des Solos auf die Beziehung zwischen der Choreographin Marika Rizzi und Manon Carpentier, der jungen Tänzerin mit Down-Syndrom, passiert. Das Finale entfaltet sich dann durch den Blick einer Zuschauerin, gespielt von Elsa Wolliaston, die eine Vorführung besucht und dann auf dem Weg nach Hause erlebt, wie die Emotionen des Tanzes in ihr weiterleben.

  • Damien Manivel:

    Wem bedeutet die Kunst und Geschichte von Isadora Duncan mehr, dem Tänzer oder Filmemacher? Warum haben Sie sich dazu entschlossen, ihr metaphorisch Kinder zu geben?

  • Damien Manivel:

    Da ist diese Exzessivität in Isadora Duncan, die weiter geht, als wir meinen; diese künstlerische Herausforderung und gleichzeitig dieser konstante Wille nach Freiheit. Es ist so wie Marika im Film sagt: „Du musst Deinen eigenen Tanz finden.“; und so war es notwendig mit diesem offensichtlichen Paradoxon zu arbeiten: ihrer Arbeit mit all dem notwendigen Respekt zu begegnen und gleichzeitig die persönliche Vision zu wahren. Sehr schnell habe ich begriffen, dass es falsch gewesen wäre etwas nachzuahmen – es geht hier nicht darum, wie Duncan in weiten griechischen Röcken zu tanzen, so wie sie es 1921 tat, sondern genau zu beobachten, wie sich ihr Stück in gegenwärtigen Körpern zeigt. Auf der anderen Seite habe ich das Solo nicht in einer kompletten Form gefilmt sondern eher als Work in progress begriffen, mit Bewegungen, die auf der Leinwand das Innenleben der Charaktere zeigen und deren Beziehung zur Mutterschaft. Nach dem Tod ihrer Kinder wollte Isadora eine Tanzschule eröffnen, es war ihr großer Traum. Mit diesem Film versuche ich ihr Erbe weiterzuführen.

  • Damien Manivel:

    All Ihre Arbeiten, aber speziell jetzt dieser Film, versuchen einen Weg zu finden, um Emotionen mit einer minimalistischen Form zu vereinen. Inwieweit hilft Ihnen Ihre eigene tänzerische Erfahrung dabei?

  • Damien Manivel:

    Vom Tanzen kommt meine Leidenschaft für die Bewegung, die Lust am Detail und diesem tiefen Gefühl, welches sich nicht verstecken lässt – und ich versuche all diese Aspekte in meinen Filmen zu zeigen. Ich misstraue Sachen, die zu spektakulär aufgebauscht sind, mit Spezialeffekten und solchen Dingen. Der Tanz erlaubt mir ebenso Filme ohne große Hemmungen zu drehen – wenn ich am Set bin, genieße ich meisten die Momente, die sich wie Proben anfühlen. Wie im Wasser ist nichts in Stein gemeißelt und alles kann passieren. Ich mache keine Schauspielführung, sondern ich richte mich nach dem Rhythmus einer*s jeden Schauspieler*in. Jeden Abend schreiben mein Team und ich die Szenen für den nächsten Tag. All diese Sachen formen den Film und ich akzeptiere es, da es eine gute Art und Weise ist, an die Dinge heranzugehen. Aber es ist auch eine Methode, die Geduld verlangt und nicht immer an- genehm ist, doch wenn wir den Mut haben uns überraschen zu lassen, dann entsteht der Film. Auf der anderen Seite hat mich der Film gelehrt, konkret zu sein und immer das zu filmen, was offensichtlich ist. Film und Tanz sind zwei sehr unterschiedliche Künste gleichzeitig ist es ungemein aufregend, die Möglichkeit zu haben diese zu vereinen.